Sulkus-Ulnaris-Syndrom

Das Sulkus-Ulnaris-Syndrom ist ein Nervenengpass-Syndrom, das den Nervus ulnaris an der Innenseite des Ellenbogens betrifft. Es wird auch Kubitaltunnelsyndrom genannt.

 

Jeder von uns hat schon die Erfahrung gemacht, dass bei einem Schlag auf die Innenseite des Ellenbogens elektrisierende Schmerzen in den Unterarm und die Kleinfingerseite der Hand einschießen. Das elektrisieren im Unterarm entsteht durch die akute Stimulation des Nervus ulnaris im Sulkus ulnaris am Ellenbogen. Diese Schmerzen lassen in der Regel nach einigen Sekunden oder Minuten wieder nach. Es ist auch genau diese Stelle am Ellenbogen, an der das Engpasssyndrom auftritt. In diesem Fall ist es aber eine andauernde Kompression, die zu den untengenannten Symptomen führt.

 

Der Sulkus ulnaris ist eine Rinne an der Ellenbogeninnenseite, die an drei Seiten von Knochen gebildet wird und das Dach besteht aus einem Band aus Bindegewebe und Muskelansätzen. Durch diese Rinne läuft der Nervus ulnaris. Ein zu eng gebildeter Kanal kann dazu führen, dass der Nervus ulnaris chronisch eingeengt wird.

 

Symptome

Kribbeln oder Taubheitsgefühle im Kleinfinger und in der Hälfte des Ringfingers sind die häufigsten Symptome. Vor allem bei gebeugtem Ellenbogen treten diese Beschwerden auf. Bei länger anhaltendem Druck kann es dann zu dauerhafter Pelzigkeit in den betroffenen Fingern kommen. Bei einer längerfristigen Kompression des Nervs macht sich auch eine Schwäche in der Hand bemerkbar. Vor allem die kleinen Handmuskeln zwischen Daumen und Zeigefinger sind dabei betroffen.

 

Diagnose

Eine detailliert Anamnese und die typischen klinischen Zeichen erlauben dem Arzt in den meisten Fällen eine klare Diagnose zu stellen.

 

Eine Untersuchung der HWS sollte zusätzlich durchgeführt werden, da Reizungen der Nerven in diesem Bereich ähnliche Beschwerden auslösen können. Röntgenuntersuchungen der Halswirbelsäule und des Ellenbogens sollten stattfinden.

 

Messungen der Leitgeschwindigkeit des Nervus Ulnaris durch einen Neurologen müssen durchgeführt werden.


Therapie

Konservativ

Wenn die Beschwerden akut aufgetreten sind, klingen sie oft von selbst wieder ab. Die ursächlichen Auslöser des Syndroms sollten gemieden werden. Zusätzlich kommt die Einnahme von entzündungshemmenden Medikamenten zum Einsatz. Das Tragen einer Ellenbogenschiene in der Nacht, um die Beugung des Ellenbogens zu verhindern, kann auch in Erwägung gezogen werden.

 

Operativ

Wenn die konservativen Maßnahmen nicht ausreichen, ist ein operativer Eingriff indiziert. Dieser erfolgt ambulant und kann in örtlicher Betäubung durchgeführt werden. Eine kurze Vollnarkose hat aber Vorteile und wird von vielen Operateuren bevorzugt.

 

Es erfolgt ein etwa 5 cm langer Hauteinschnitt an der Innenseite des Ellenbogens. Das Band aus Bindegewebe, welches den Sulkus ulnaris überbrückt, wird in Längsrichtung gespalten und der Nervus ulnaris wird so freigelegt. Die genaue Stelle der Einengung muss klar dargestellt werden, um zu gewährleisten das der Nerv völlig frei liegt.

 

In den meisten Fällen muss operativ nichts weiter unternommen werden. Es ist jedoch wichtig intraoperativ den Ellenbogen passiv zu beugen um festzustellen, ob der Nervus ulnaris in dieser Stellung des Ellenbogens nicht zu stark angespannt wird. Sollte dasder Fall sein muss in Erwägung gezogen werden, den Nervus ulnaris auf der Innenseite des Ellenbogens nach vorne zu verlegen. Dieses ist selten notwendig. Es hat auch den Nachteil, daß der Nervus ulnaris aus seinem natürlichen Bett mobilisiert werden muss, welches zu Durchblutungsstörungen und Vernarbungen führen kann.

 

Eine kleine Saugdrainage wird eingelegt und es erfolgt die Hautnaht. Meistens reicht ein gepolsterter Verband aus. Eine Gipsschiene ist selten notwendig.

 

Die Entfernung der Saugdrainage erfolgt am folgenden Tag. Entfernung der Hautfäden nach ca. 10 Tagen. Eine Physiotherapie ist in der Regel nicht notwendig.

 

Prognose

Nach einer operativen Dekompression des Nervus ulnaris ist die Prognose generell sehr gut. Der Nervus ulnaris reagiert auf eine längere Kompression sehr sensibel und erholt sich, unter Umständen, nicht vollständig. Daher sollte, bei gegebenen Indikationen, ein operativer Eingriff nicht zu lange aufgeschoben werden.