Morbus Dupuytren

Der Morbus Dupuytren ist eine Erkrankung, die in ihrem Verlauf mit einer zunehmenden Verkrümmung der Finger gekennzeichnet ist. Diese Fingerkrümmung kann über Jahre voranschreiten. Als Folge lassen sich einzelne oder mehrere Finger immer weniger strecken und krümmen sich Richtung Handinnenfläche. In Deutschland leben ca. 1,5 Millionen Menschen mit einer Dupuytrenkontrakur. Bei Männern kommt dieses Krankheitsbild häufiger vor als bei Frauen.

Der Morbus Dupuytren ist eine gutartige Erkrankung des Bindegewebes der Handinnenfläche (Palmaraponeurose). Bisher gibt es keine genaueren Erkenntnisse über die Ursache dieser Erkrankung. Es wird vermutet, dass in einem gewissen Rahmen eine Vererbung stattfindet.

Wichtig anzumerken ist, dass der Morbus Dupuytren keine Erkrankung der Sehnen ist, wie fälschlicherweise oft vermutet wird. Vielmehr handelt es sich um eine Veränderung der Bindegewebsstrukturen, die oberflächlich zu den Sehnen liegen.

 

Geschichtliches


Der Morbus Dupuytren wird benannt nach Freiherr Guillaume Dupuytren (1777-1835). Nachdem Ludwig XVIII in 1814 den französischen Thron bestieg, wurde Dupuytren zu dessen Leibarzt erhoben.

 

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Er war der Erste der sich mit dieser Krankheit intensiv befasst hat. Es ist erstaunlich wie wenig sich seit seiner Zeit über Ursache und Therapie des Morbus Dupuytren, trotz intensiver wissenschaftlicher Bemühungen, geändert hat.

 

Symptome

Die Krankheit beginnt mit kleinen Knoten in der Handfläche. Über Monate oder Jahre entwickelt sich daraus ein Strang, welcher zunehmend das Strecken des befallen Fingers verhindert. Es kommt zu zunehmenden Einschränkungen, sodass die Hände nicht mehr richtig eingesetzt werden können. So kann bereits einfaches Händeschütteln unangenehm werden, wenn man gezwungen ist, jemandem mit nach innen gekrümmten Fingern die Hand zu geben. Manche grundlegenden Aufgaben der Hand werden erschwert, weil die gekrümmten Finger in vielen Situationen im Weg stehen.

In der Regel haben Patienten mit Morbus Dupuytren keine Schmerzen (siehe jedoch unter „Operativ“ - „Relative Indikationen“)

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Diagnose

Das Muster mit den palmaren Knötchen, der Strangbildung in der Hohlhand und am Finger, sowie die Kontrakturen der Finger sind sehr typisch, sodass die Diagnose meist keine Schwierigkeiten bereitet. Wichtig jedoch ist, diese Kontrakturen von denen welche einer Schnittverletzung der Hand durch Narbenbildung folgen können, zu unterscheiden.

Therapie

Konservativ

Derzeit sind keine Behandlungsmöglichkeiten bekannt, das Entstehen und die Ausbreitung dieser Erkrankung zu verhindern.

In frühen Stadien der Dupuytrenkontraktur kann versucht werden, eine fortschreitende Erkrankung mit Hilfe von Röntgenbestrahlung aufzuhalten. Sobald eine Kontraktur den Finger schon in Beugung versetzt hat, kann hiermit diese nicht rückgängig gemacht werden.

Mit der Injektion eines Enzyms (Kollagenose) wird seit mehreren Jahren experimentiert. Diese Behandlungsmethode ist noch stark umstritten und Komplikationen kommen sehr häufig vor. Auch die sogenannte Nadelfasziotomie ist sehr umstritten und wird von wenigen Spezialisten bevorzugt.

Operativ

In den meisten Fällen ist die komplette, operative Entfernung des Stranggewebes die Therapie der Wahl. Der Zeitpunkt eines operativen Eingriffs sollte vorsichtig erwogen werden. Wenn sich das Grundgelenk des Fingers bis zu 60 Grad, oder das Mittelgelenk des betroffenen Fingers um 30 Grad kontraktiert haben, ist eine dringende Indikation zur Operation gegeben. Relative Indikationen zu operativen Eingriffen bestehen bei geringeren Kontrakturen, wenn die Funktion der Hand gestört ist, z. B. bei Musikern die ihre Musikinstrumente nicht mehr richtig handhaben können, oder bei Handwerkern bei denen das Gewebe druckempfindlich sein kann. 

 

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Die Operation sollte unbedingt unter Anlegen einer Oberarmblutsperre und Blutleere erfolgen. Daher ist entweder eine Vollnarkose oder eine Plexus-Anästhesie notwendig. Operativ ist darauf zu achten, dass das pathologische Gewebe weitgehendst entfernt wird. Da Nervenstränge und Gefäße anatomisch in unmittelbarer Nähe dieses Gewebes liegen, ist der Einsatz einer Luppenbrille im operativen Areals vorteilhaft.

 

Die Hautinzision muss vorsichtig geplant sein und es erfolgen Z- förmige Hauteinschnitte in der Hohlhand und am betroffenen Finger. Wenn nach Entfernung des pathologischen dupuytrenschen Gewebes keine volle Streckung der betroffenen Gelenke erreicht werden kann, müssen diese Gelenke unter Umständen auch an ihrer Kapsel noch befreit werden. Sind die Finger schon sehr stark gekrümmt, muss bisweilen ein Defizit der Haut durch eine Hautverschiebung oder Transplantation geschlossen werden.

 

Nach der Hautnaht erfolgt das Anlegen einer temporären Gipsschiene um die Streckung der Finger postoperativ zu gewährleisten. Hierbei ist es wichtig die Fingerspitzen freizulassen, sodass die Durchblutung überwacht werden kann. Eine Armschlinge sollte getragen werden, um zu gewährleisten dass die Hand auf Brusthöhe gehalten wird, sodass es zu keinen Schwellungen an der Hand kommen kann. Herkömmliche Schmerzmittel reichen meistens postoperativ ohne weiteres aus. Entfernung des Nahtmaterials geschieht meistens um den 10. postoperativen Tag.

Eine, meist aus Kunststoff, angefertigte Schiene sollte zumindest in den ersten 2-3 Wochen getragen werden. Dieselbe Schiene sollte nachts bis zum Ende der 6 postoperativen Woche weitergetragen werden.  Wichtig sind  auch postoperative Dehnungsübungen, um zu gewährleisten, dass die intraoperativ erzielte Streckung gehalten werden kann.

 

 

Prognose

Es handelt sich bei Morbus Dupuytren um eine Veranlagung. An dieser Veranlagung ändert der operative Eingriff natürlich nichts. Daher bildet sich in vielen Fällen über Jahre erneut dupuytrensches Gewebe. Es kann daher durchaus zu Folgeoperationen kommen. Es ist bekannt, dass bei manchen Patienten der Morbus Dupuytren besonders aggressiv auftritt. Bei diesen Patienten ist häufig mit einem Rezidiv zu rechnen.