Hammerzehe/Krallenzehe

 

Der Hammerzeh und der Krallenzeh sind häufige Zehenfehlstellungen. Typische Symptome sind krumme Zehen und schmerzhafte Druckpunkte am ganzen Fuß, sowie Hühneraugen. Oft treten Hammerzehen und Krallenzehen zusammen mit anderen Fußmissbildungen wie Hallux valgus oder Spreizfuß auf.

 

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Die Hammerzehe ist durch eine dauerhafte Beugung im Zehenendgelenk gekennzeichnet, bei der das Grundgelenk gestreckt ist.
Bei der Krallenzehe ist das Grundgelenk überstreckt, während Zehenmittel- und -endgelenk gebeugt sind.
Im englischen Sprachraum wird es genau entgegengesetzt definiert. Die deutsche Gesellschaft für Fußchirurgie schliesst sich der englischen Definition an. Schlussendlich ist die Bezeichnung jedoch nicht ausschlaggebend. Die Deformität, egal unter welchem Namen, bestimmt die Therapie.

 

Ursachen

 

Es gibt viele mögliche Ursachen für eine Hammerzehe oder eine Krallenzehe, doch am häufigsten hat die Verformung etwas mit zu engen und ungünstig geformten Schuhen zu tun. Weil gerade auch hochhackige Schuhe zu einem vermehrten Druck auf den Zehenbereich führen, sind Hammerzehen bei Frauen häufiger zu sehen. Die Zehen werden nach und nach in die Form des Schuhs gepresst. Im Großzehenbereich kommt es oft zum charakteristischen Hallux valgus, und an den anderen Zehen besteht die Tendenz zu einer Hammer- oder Krallenverformung. Hinzu kommt, dass durch das Schuhwerk die Fußmuskeln nicht richtig trainiert werden. Die Zehen-Beugemuskeln ziehen sich zusammen und verstärken die Fehlstellung der Zehen.

 

Bereits bestehende Fußformveränderungen wie z. B. der Spreizfuß tragen vielfach ihren Teil dazu bei, dass ein Hammerzeh sich entwickelt. Außerdem kann genetisch eine Veranlagung zu Krallen- oder Hammerzehen bestehen.

 

Bei vielen Patienten jedoch entwickelt sich ein Hammer-/Krallenzeh über einen kurzen Zeitraum (über wenige Monate) ohne daß eine Ursache vorliegt (idiopathisch). Vor allem bei diesen Patienten scheitert eine konservative Therapie meistens.

 

 

Symptome

 

Sowohl die Hammerzehe als auch die Krallenzehe ist zunächst einmal durch charakteristische Verformungen gekennzeichnet. Sie kann im Prinzip jede Zehe betreffen, typisch ist diese Veränderung an der zweiten oder der dritten (mittleren) Zehe. An den Großzehen tritt eine krallen- oder hammerartige Formabweichung sehr selten auf, dort ist eher der Hallux valgus zu sehen. Sowohl Krallen- als auch Hammerzehen können nicht nur unschön aussehen, sondern auch zu weiteren Beschwerden führen. Druckstellen entwickeln sich, teils kommt es zu

 

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Hühneraugen, die auch schmerzen können. Schmerzhaft kann es für den Patienten beim Gehen und Stehen werden. Die Verformung der Zehen nimmt allmählich zu. Bei einer noch nicht so weit fortgeschrittenen Veränderung kann die Zehe meist wieder in die richtige Lage gerückt werden (flexible Hammerzehe). Im späteren Stadium ist es möglich, dass die Zehe nicht mehr in die Ursprungsposition bewegt  werden kann (fixierte Hammerzehe). In einigen Fällen geht die Verformung so weit, dass Zehen übereinander statt nebeneinander liegen. Sogar eine Ausrenkung (Luxation) des Zehengrundgelenks ist in vereinzelten Fällen möglich.

 

 

 

Diagnose

 

Die Diagnose der Hammerzehe oder Krallenzehe geschieht bereits durch den Anblick. Nicht nur die Verformungen mit veränderter Gelenkstellung, sondern auch Druckstellen und andere Fußveränderungen werden beurteilt. Röntgenbilder stützen die Diagnose und ermöglichen eine genauere Beurteilung. Röntgenaufnahmen sind zudem notwendig, wenn eine Operation geplant ist.

 

 

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Therapie

 

Die Behandlung der Hammer- oder Krallenzehe geschieht zunächst einmal nichtchirurgisch (konservativ). Da die Erkrankung meist dennoch allmählich fortschreitet, kann langfristig oft nur mit einer Operation Abhilfe geschaffen werden. Jedoch sollte anfangs normalerweise mit einer konservativen Therapie versucht werden, die Einflussfaktoren abzustellen und die Verschlechterung aufzuhalten.

 

 

Konservativ

Sie sind vor allem dann erfolgversprechend, wenn der Zeh zumindest passiv noch in die richtige Lage gerückt werden kann. Der Fuß sollte entlastet werden. Insbesondere sollten weite, fußfreundlich geformte Schuhe getragen werden. Einlagen oder Polsterungen sowie geeignete Verbände und Schienungen können ebenfalls die Situation verbessern. Hühneraugen und Druckschwielen können mit Hilfe einer Fußpflege reduziert werden.

 

Operativ

Mehrere Operationsmethoden kommen bei Krallen- oder Hammerzehen in Frage. Sie werden je nach dem Befund und den Symptomen gewählt, aber auch das Patientenalter spielt eine Rolle. Sinn der Operation ist es, die Formveränderung zu beheben und gegebenenfalls die Belastung zu reduzieren. Dies kann durch Verkürzung der Knochen gelingen, weil dann auch der Zug durch die Sehnen nicht mehr so stark ins Gewicht fällt.

Ist die Zehenveränderung noch flexibel, so kann eine Operation an den beteiligten Sehnen ohne eigentliche Gelenkkorrektur genügen. Die Sehnen werden umgelenkt, so dass sich eine günstigere Zugwirkung ergibt und der Zeh eine bessere Position einnimmt

Eine übliche Operation bei Hammerzehen ist die Operationsmethode nach Hohmann. Hierbei entfernt der Operateur üblicherweise das nach oben vorspringende Köpfchen des Grundzehenknochens an der Stelle, an der das Hühnerauge sitzt (Resektion). Dies beinhaltet eine Verkürzung des Knochens. Das Köpfchen des Zehenmittelglieds wird entfernt. Dazu muss erst die Strecksehne durchtrennt werden, sie wird danach wieder vernäht. Bisweilen muss ein Draht (K-Draht) eingesetzt werden, der über die Haut hinausragt und nach 3-4 Wochen entfernt wird. 

 

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Nach der Operation wird der Fuß hochgelagert, um die Schwellung zu vermindern. Mit einem Vorfuß-Entlastungsschuh kann der Fuß unmittelbar nach dem operativen Eingriff wieder belastet werden.

 

Prognose

 

Mit der einfachen (konservativen) Behandlung kann man eine Besserung erreichen, oftmals können die Beschwerden aber nicht auf Dauer beseitigt werden. Die Zehenveränderung kann sich nach und nach verstärken. Unter Umständen muss eine Operation erfolgen, damit die Verschlechterung aufgehalten werden kann. Die Prognose der Operation ist im Allgemeinen gut, und auch die Gefahr von Komplikationen ist gering. In aller Regel zeigt sich nach der OP ein zufriedenstellendes Ergebnis. Patienten müssen allerdings auch im Nachhinein darauf achten, kein unvorteilhaftes Schuhwerk zu tragen um einer erneuten Hammerzehe vorzubeugen.