Hallux valgus

Der Begriff Hallux valgus bezeichnet per Definition eine Fehlstellung der großen Zehe, die dadurch gekennzeichnet ist, dass die Großzehe im Grundgelenk aus ihrer normalen Achse seitlich nach außen abgewinkelt (lat. valgus = krumm/schief), und gleichzeitig nach innen gedreht ist (Innenrotation).

 

Infolge dieser Abweichung der Großzehe von ihrer Normalstellung ist der Mittelfußknochen, der die Großzehe trägt (der 1. Metatarsalknochen), beim Hallux valgus zur Körpermitte hin abgespreizt. Dadurch drückt der Kopf des Mittelfußknochens gut sichtbar von innen gegen die Haut und den darunter entstandenen Schleimbeutel.

 

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Keine andere Zehenfehlstellung kommt häufiger vor als der Hallux valgus. Seine Häufigkeit ist bei Frauen deutlich höher als bei Männern. Der Hallux valgus entwickelt sich im Laufe des Lebens, sodass er im Alter zunehmend öfter zu finden ist.

 

Ursachen

Nur in der westlichen Zivilisation treten Zehenfehlstellungen wie der Hallux valgus mit großer Häufigkeit auf. Dabei sind überwiegend Menschen betroffen, die über lange Zeit enges und geschlossenes Schuhwerk getragen haben. Dagegen ist der Hallux valgus in Ländern und Kulturkreisen, in denen die Menschen keine, oder offene Schuhe (z.B. Sandalen) tragen, seltener.

 

Falsches Schuhwerk
Durch interkulturelle Vergleiche belegt ist die Hauptursache des Hallux valgus eindeutig im jahrelangen Tragen von falscher Fußbekleidung zu sehen.
Enge Schuhe drücken die Großzehe ständig nach außen in Richtung der anderen Zehen. Mit fortschreitender Achsenabweichung der Großzehe ändert sich auch die Zugrichtung der Muskeln, die die Zehe normalerweise nach innen ziehen und somit gerade halten: Statt von den anderen Zehen weg nach innen, ziehen die Muskeln die Großzehe mit der Zeit immer mehr fußsohlenwärts (Flexion) und wenden sie einwärts (Pronation). Dem Druck der Schuhspitze steht dann keine aktive Kraft mehr entgegen und die Großzehe weicht dauerhaft von ihrer normalen Stellung ab. Zusätzlich zieht die lange Strecksehne die Großzehe noch weiter nach außen und verschlechtert den Zustand zunehmend.

 

Spreizfuß
Durch das Einsinken des vorderen Quergewölbes beim Spreizfuß kommt es zu einer Verbreiterung des Ballenbereichs, einer anderen Winkelstellung und somit auch zu einer schiefen Stellung vornehmlich der ersten Zehe.

 

Genetische Ursachen
Es ist nicht auszuschließen, dass an der Entstehung des Hallux valgus auch erbliche Ursachen beteiligt sind: Bei mehr als der Hälfte aller Menschen mit Hallux valgus finden sich weitere Familienangehörige mit derselben Zehenfehlstellung. Dies lässt auf eine gewisse Veranlagung schließen, einen Hallux valgus zu entwickeln.


Vorbeugung
Schuhe mit hohen Absätzen und zu enger Vorderkappe sollten nicht zu oft getragen werden. Wird abwechslungsreiches Schuhwerk getragen, bleibt eine Schädigung zumeist aus. Der Schuh für den Alltag soll niedrige Absätze und Freiraum für die Bewegung der Zehen haben.

Vor allem Kinderschuhe sind häufig zu klein und stellen so schon frühzeitig die Weichen für die Entwicklung von Zehenfehlstellungen wie dem Hallux valgus. 

Bei einem Hallux valgus sind entsprechende Einlagen für die Schuhe empfehlenswert.

 

Symptome

Neben dem abweichenden Erscheinungsbild treten beim Hallux valgus oft keine weiteren Symptome auf – die weit verbreitete Zehenfehlstellung ist also häufig rein kosmetischer Natur. Wenn ein Hallux valgus Beschwerden verursacht, kommt es in der Regel zunächst zu Schmerzen an der Basis der Großzehe, wo sich die Pseudoexostose befindet. An dieser Stelle ist der Fuß am breitesten, dementsprechend drücken Schuhe hier am stärksten. Die Haut und der darunter liegende Schleimbeutel sind mechanisch gereizt.

Auch das Zehengrundgelenk bleibt bei einem Hallux valgus nicht unbeteiligt. Es kann aufgrund der Schiefstellung anfangen zu schmerzen, verliert seine Beweglichkeit und verschleißt zunehmend. So kann sich beim Hallux valgus ein schwerwiegender Verschleiß (Arthrose) des Zehengrundgelenks ausbilden.

 

Diagnose

Bei einem Hallux valgus erfolgt die Diagnose im Allgemeinen anhand der beschriebenen Beschwerden und einer Untersuchung des Fußes: An der Basis der Großzehe – also am Zehenballen – ist beim Hallux valgus das hervorspringende Köpfchen des ersten Mittelfußknochens an der Innenseite deutlich zu sehen (sog. Pseudoexostose). An dieser Stelle ist der Fuß am breitesten, sodass hier Schuhe am stärksten drücken. Dies erklärt die Druckbeschwerden bei Hallux valgus. Die Haut über diesem Bereich erscheint gereizt, gerötet und entzündlich verändert.

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Um die für den Hallux valgus typische Fehlstellung der betroffenen Fußknochen genau zu untersuchen, ist eine Röntgenuntersuchung wichtig. Nur so kann das genaue Ausmaß der Fehlstellung dokumentiert werden.

 

Behandlung

Bei einem Hallux valgus zielt die Therapie darauf ab, bestehende Schmerzen zu verringern, die Fehlstellung der Großzehe zu korrigieren und die Funktionsfähigkeit des Fußes zu verbessern. Konservative (d.h. nicht-operative) Maßnahmen können nur im Frühstadium bei leichten Fällen verhindern, dass sich die Zehenfehlstellung verschlechtert. Um einen Hallux valgus zu heilen, ist in der Regel eine Operation nötig.

 

Konservativ

Die Umstellung auf flaches Schuhwerk mit genügend Freiraum für die Zehen mit Spreizfußeinlagen können gegen die Schmerzen beim Gehen helfen. Auch ringförmige Entlastungspolster können sinnvoll sein.

 

Operativ

Eine einmal eingetretene deutliche Fehlstellung der Großzehe lässt sich nur durch eine Operation korrigieren.

Einen Hallux valgus aus rein kosmetischen Gründen zu operieren ist generell nicht empfehlenswert. Wenn die Deformität jedoch unaufhaltsam zunimmt, muss ein operativer Eingriff ernsthaft in Erwägung gezogen werden, da eine Korrektur zunehmend schwieriger wird.

 

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Mehrere Faktoren müssen in Betracht gezogen werden um den passenden operativen Eingriff zu wählen:

 

  • das Alter des Patienten 
  • besteht eine leichte, eine mittelschwere oder schwere Form der Fehlstellung
  • hat sich im Grundgelenk (MP-Gelenk) des Hallux schon eine Arthrose entwickelt
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Bei jungen Patienten mit einer leichten Fehlstellung kann ein reiner Weichteileingriff in Erwägung gezogen werden (Operation nach McBride).

 

Bei Patienten mit einem Grundgelenk (MP-Gelenk) des Hallux welches keine, oder nur eine geringe Arthrose, sowie  eine leichte bis mittelschwere Fehlstellung aufweist, entscheidet man sich meistens zu einer Korrektur mittels distaler Osteotomie (Umstellung) des Metatarsale I (Operation nach Mitchell, Scarf, Chevron u.a.). Dieses ist die Situation welche man bei der überwiegenden Anzahl der Patienten vorfindet.

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Bei Patienten mit einem Grundgelenk (MP-Gelenk) des Hallux mit einer signifikanten Arthrose (Verschleiss) kann man sich zu einer Versteifung (Arthrodese) des MP-Gelenks des Hallux entscheiden.

 

Bei älteren Patienten entscheidet man sich häufig für eine OP nach Keller-Brandes (Bilder unten). Diese Operation ist technisch einfach und für den Patienten post-operativ unkompliziert. Der Nachteil ist, daß die Großzehe an Kraft verliert und nicht mehr wie zuvor abrollen kann. Die meisten Patienten empfinden dieses jedoch nicht als sehr beeinträchtigend.

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Bei schweren Fehlstellungen muß die Korrektur zumindest teilweise im Bereich des Grundgelenks (Tarso-metatarsal-Gelenk) des Metatarsale I stattfinden. Dieses ist jedoch bei wenigen Patienten notwendig.

 

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Nachbehandlung

Postoperativ wird der Fuß mit einem Vorfußentlastungsschuh geschont. Dieser Schuh ermöglicht innerhalb von ca. 3 Wochen die Vollbelastung auf der Ferse ohne Gehstützen. Nach solchen Operationen bei denen eine Knochenheilung stattfinden muss (Mitchell, Scarf, Chevron) darf in den ersten 6 Wochen keine Vorfußbelastung stattfinden.