Ganglion (Überbein)

Ein Ganglion, auch Überbein genannt, ist eine mit Flüssigkeit gefüllte Zyste, die sich unter der Haut bildet. Diese Zysten sind mit der Gelenkkapsel einer der Hand- oder Fingergelenke oder einer Sehnenscheide verbunden. Die Flüssigkeit dieser Ganglionzyste kommt aus dem jeweiligen Gelenk oder der Sehenenscheide und besteht aus „Gelenkschmiere“, der sogenannten Synovialflüssigkeit, die ganz normal in den Gelenken und Sehnenscheiden vorkommt. Warum sich eine Ganglionzyste entwickelt ist nicht eindeutig geklärt. Es ist möglich, daß ein traumatisches Ereigniss am Kapselbandapparat zu einem Ganglion führen kann. Auch ist es möglich, dass eine Schwachstelle im Kapselbandapparat besteht, was dann durch erhöhten Druck im Handgelenk zu einer Ausbuchtung und letztendlich zu einem Ganglion führen kann.

 

Es gibt 3 verschiedene Formen eines Ganglions im Bereich der Handchirurgie:

  • Das am häufigsten vorkommende dorsale Ganglion. Dieses kommt am Handrücken am Handgelenk vor.
  • Das volare Ganglion, das handflächenseitig in der Nähe der Hauptschlagader der Hand vorkommt.
  • Das sogenannte Sehnenscheidenganglion, das häufig an den Beugesehnen der Finger vorkommt.

 

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Diese drei Ganglienformen unterscheiden sich in ihrer Symptomatik und in der Therapie. Zu betonen ist, daß ein Ganglion nie bösartig werden kann. Es handelt sich hier immer um eine gutartige Schwellung.

 


Symptome

Ein volares oder dorsales Ganglion fällt dem Patient häufig wegen der sichtbaren Schwellung auf. Diese Schwellung kann in der Größe stark variieren. Über kurze oder längere Zeiträume können diese Ganglien mal größer, mal kleiner werden und können sogar manchmal auch vorrübergehend völlig verschwinden.

 

Ganglien können aber auch schmerzhaft sein. Vor allem ein dorsales Ganglion kann Schmerzen verursachen, wenn der Patient sich auf der Handfläche abstützt. Häufig ist es jedoch auch der kosmetische Aspekt, der den Patient zum Arzt kommen lässt. Ganglien, vor allem an der Streckseite des Handgelenks (dorsale Ganglien) können eine Größe erreichen, die optisch unangenehm auffallen.

Die Sehnenscheidenganglien, die an den Beugesehnen der Hand vorkommen, machen sich immer durch Schmerzen bemerkbar. Diese können, wenn der Patient ein Objekt mit großer Kraft festhält, sehr schmerzhaft sein. Die Sehnenscheidenganglien sind aber immer sehr klein und manchmal kaum tastbar.

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Diagnose

Die Diagnose lässt sich häufig durch eine klinische Untersuchung stellen. Wenn die Größe des Ganglions zum Zeitpunkt der Untersuchung rückläufig ist, ist es manchmal notwendig eine MRT (Kernspinntomographie) durchführen zu lassen um das Ganglion darstellen zu können. Ein Röntgenbild sollte bei dorsalen und volaren Ganglien durchgeführt werden, da diese manchmal ein Ausdruck eines pathologischen Prozesses im Handgelenk sind.


Therapie

Grundsätzlich muss klar gesagt sein, daß ein Ganglion nicht zwingend therapiert werden muss. Ein Ganglion ist immer gutartig, kann nie bösartig werden, und kann auch keinen Schaden anrichten.

Es kommt auch häufig vor, dass sich Ganglien spontan zurückbilden, wobei sie sich nach mehreren Wochen oder Monaten auch wieder neu bilden können. Vor allem bei Kindern verschwinden Ganglien häufig von selbst.

 

Konservativ

Konservative Maßnahmen sind selten befriedigend. Die Flüssigkeit kann abpunktiert werden und das Handgelenk über einen kurzen Zeitraum mit einer Schiene ruhiggestellt werden. Zusätzlich können entzündungshemmende Medikamente eingesetzt werden. Die Wahrscheinlichkeit, daß das Ganglion wiederkommt, ist allerdings sehr hoch.

 

Operativ

Die Indikationen um ein Ganglion operativ entfernen zu lassen können folgendermaßen summiert werden:

Ein dorsales Ganglion kann schmerzhaft sein und daher zu einer Komprimierung der Handgelenksfunktion führen. Es ist aber wichtig zu wissen, daß die Schmerzen nach einer Entfernung des dorsalen Ganglions nicht immer komplett nachlassen. Zusätzlich können dorsale Ganglien kosmetisch problematisch werden, hier ist jedoch zu betonen, daß das Ganglion durch eine operative Narbe ersetzt wird. Diese entspricht kosmetisch auch nicht immer dem, was man sich gerne wünscht. Die gleichen Indikationen gelten auch für das volare Ganglion.

Die Indikation ein Sehenscheidenganglion zu entfernen, ist immer die Druckempfindlichkeit, die bei diesen kleinen Ganglien sehr ausgeprägt sein kann.

Operative vorgehensweise. Hier unterscheiden sich die 3 Formen der Ganglien sehr deutlich.

Dorsales Ganglion: Diese können in örtlicher Betäubung oder in Vollnarkose entfernt werden. Der Eingriff ist aber nicht zu unterschätzen, da es sehr wichtig ist das Ganglion mitsamt dem kompletten Stil bis an die Gelenkkapsel zu entfernen. Wenn nur das Ganglion entfernt wird ist die Wahrscheinlichkeit, daß es wieder nachwächst sehr hoch.

 

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 Volares Ganglion: Diese sollten grundsätzlich nur unter Vollnarkose oder einer Plexusanästhesie durchgeführt werden. Dieses ist notwendig, da bei der Entfernung eines volaren Ganglions unbedigt eine Blutsperre angelegt werden muss. Diese Ganglien befinden sich in unmittelbarer Nähe der Hauptschlagader der Hand, der Arterie radialis, die leicht verletzt werden kann. Auch hier gilt die Regel daß das Ganglion mitsamt Stil entfernt werden muss.
Sehnenscheidenganglion: Diese sind operativ sehr einfach zu versorgen. Es ist nur ein sehr kleiner Hauteinschnitt in örtlicher Betäubung notwendig um diese Ganglien darzustellen. Sie lassen sich dann sehr leicht entfernen.

 

Bei dorsalen und volaren Ganglien wird in der Regel eine Gipsschiene angelegt, um das Handgelenk über mehrere Tage ruhigzustellen. Finger und Daumen sind aber frei und beweglich. Nach 10 Tagen erfolgt das Entfernen der Hautnähte.

 

Postoperativ können Schmerzmittel eingenommen werden. Dies ist meistens nur in den ersten 24 Stunden notwendig. Die Hand sollte in einer Schlinge auf Brusthöhe gehalten werden, damit keine Schwellung entstehen kann. 
Nach der Entfernung eines Sehnenscheidenganglions ist in der Regel nur ein kleiner Verband notwendig. 
Abhängend von der Belastung, der die Hände am Arbeitsplatz ausgesetzt sind, dauert die Arbeitsunfähigkeit ca. 2-4 Wochen. Bei sehr anspruchsvoller Belastung z. B. bei Handwerkern kann diese auch noch länger andauern.

 

Prognose

Das Ganglion ist ein harmloser, d. h. gutartiger Tumor und muss nicht dringend therapiert werden. Etwa 30% der Ganglien verschwinden von selbst, wobei sie Monate oder Jahre später wieder auftauchen können.

 

Nach der operativen Entfernung eines dorsalen oder volaren Ganglions liegt die Rezidivrate, d. h. die Wahrscheinlichkeit, daß ein Ganglion wieder entstehen kann, zwischen 5-8 Prozent. 
Bei Sehnenscheidenganglien gibt es selten Rezidive.