Radiofrequenztherapie bei Facettensyndrom

Es besteht ein chronisches Lenden­wirbelsäulen-Leiden. Primär sind hier die kleinen Wirbelgelenke (Facettengelenke) be­troffen. Man unterscheidet hier prinzipiell von einem Bandscheibenvorfall.

Die klassische Definition des Facettensyndroms (Erkrankung der kleinen Wirbelgelenke im Bereich der Lendenwirbelsäule) bezeichnet ein Schmerzbild, das seinen Ursprung in den kleinen Wirbelgelenken hat und das zu den chronisch rezidivierenden mechanischen Kreuzschmerzen gehört.

Schon im Jahre 1911 wurde erstmals die Aufmerksamkeit auf diese kleinen Wirbelgelenke als mögliche Ursache für Rückenschmerzen gelenkt. Der Begriff „Facettensyndrom“, welcher als synonym für eine Erkrankung der kleinen Wir­belgelenke im Bereich der Wirbelsäule verwendet wird, wurde schließlich 1933 eingeführt. Nach damaliger Auffassung waren Rückenschmerzen im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule häufig auf Nervenirritation als Folge einer Entzündung der kleinen Wirbelgelenke zurückzuführen.

Durch die Beobachtung und die erfolgreiche Behandlung von Bandscheiben­vorfällen im Jahre 1943 wurde jedoch die allgemeine Aufmerksamkeit wesentlich auf die Bandscheiben gelenkt und die Bedeutung der Facettengelenke für die Schmerzgenese rückte in den Hintergrund. Erst Mitte der 1950er Jahre wurde der Blick wieder auf Facettengelenke als Ursprungsort für die Schmerzauslösung gerichtet.

 

Definition

Patienten, die an einem sogenannten Facettensyndrom leiden, haben Schmerzen lokal im Bereich der Lendenwirbelsäule, oft mit Ausstrahlung in die Gesäßbacken und gelegentlich auch in den Oberschenkel. Häufig treten die Schmerzen morgens beim Aufstehen auf und verlieren sich etwas mit Bewegung. Bei starker Belastung treten sie dann wieder verstärkt auf.

Die Beschwerden sind zurückzuführen auf eine Reizung der Fazettengelenke. Diese kann durch eine Überlastung der Gelenke oder durch degenerative Veränderungen der Facettengelenke ausgelöst werden.

 

Therapie

Ein Facettensyndrom muss vorerst konservativ behandelt werden (Siehe Behandlung von Rückenschmerzen). Grundsätzlich wird die Radiofrequenztherapie (RFT), auch Facettendenervation oder Thermotherapie genannt, erst dann eingesetzt wenn alle konservativen Maßnahmen keinen Erfolg erzielen konnten. Es dient als Versuch noch eine Schmerzlinderung zu erreichen vordem eine Operation, meistens eine Teilversteifung, in Betracht gezogen wird. Bei der geplanten Therapie handelt es sich um eine Radiofrequenzläsion durch Thermokoagulation. In der Regel werden 2 oder 3 Etagen behandelt. Mit Hilfe des Röntgengerätes wird das betroffene kleine Wirbelgelenk lokalisiert.

Unmittelbar in der Nachbarschaft des kleinen Wirbelgelenkes wird nun eine Kanüle platziert. Eine Radiofrequenz-/Thermo-Sonde wird über diese Kanüle eingeführt. Entsprechende Stimulationstests, die zeigen, dass die Nadel richtig liegt, werden durchgeführt. Danach wird über die Sonde an die entsprechenden Nervenfasern, welche das kleine Wirbelgelenk versorgen, Wärme (75 Grad) über 90 Sekunden abgegeben. Hierbei kommt es zu einer Ausschaltung der Nerven, welche das kleine Wirbelgelenk versorgen. Damit können die von diesen Gelenken ausgehenden Schmerzen beseitigt oder deutlich gemindert werden. Die Behandlung kann, sollten die Schmerzen erneut auftreten, wiederholt werden.

Zusammenfassend bedeutet das, dass wir mit der Radiofrequenzläsion durch Thermokoagulation kleinere Nerven und Nervengeflechte gezielt ausschalten können. Bei dem Eingriff haben Sie geringe Schmerzen. Sie spüren nicht mehr als bei einer ganz gewöhnlichen Spritze an der Wirbelsäule. Der Eingriff dauert etwa 20 Minuten. In den folgenden 12 Stunden sollte der Rücken geschont werden. Mit Krankengymnastik  kann jedoch schon am nächsten Tag begonnen werden.

Wenn eine Schmerzlinderung erreicht werden kann, muß diese Gelegenheit genutzt werden um die Wirbelsäule zu mobilisieren und zu stabilisieren. Physiotherapie und Rehabilitationsmaßnahmen sind unverzichtbar. Unbedingt notwendig  ist  jetzt auch die Eigeninitiative und Mitarbeit des Patienten. Ohne diese kann auf Dauer nichts erreichet werden.

 

Prognose

Rückenschmerzen können mehrere Ursachen haben. Die Radiofrequenztherapie wird nur einen Erfolg haben, wenn die Beschwerden hauptsächlich auf die Facettengelenke lokalisiert werden können. Beschwerden welche ihren Ursprung in anderen anatomischen Strukturen haben müssen gesondert therapiert werden. Eine intensive Nachbehandlung ist unverzichtbar.