Golferarm (Epicondylitis medialis)

Der Golferarm wird als solcher bezeichnet, weil er bei Golfspielern sehr häufig vorkommt. Er kommt seltener vor als der Tennisellenbogen. Die Schmerzen werden am Ansatz der Beugemuskulatur des Unterarms ausgelöst. Vor allem wenn das Trainingspensum über einen kurzen Zeitraum erheblich gesteigert wird, besteht die Gefahr, dass sich ein Golferellenbogen entwickelt. In der Praxis sind jedoch mehr als 90% der betroffenen Patienten keine Golfspieler. Der Golferellenbogen kann nach anderen Belastungsformen auftreten. Es gibt aber auch Situationen, in denen die Patienten keine ersichtliche Ursache erkennen können.

 

Symptome

Patienten klagen über Schmerzen an der Innenseite des betroffenen Ellenbogens. Häufig kommt es vor, dass Pat. den schmerzauslösenden Punkt gar nicht genau definieren können. Das kommt daher, dass die Schmerzen eines Golferellenbogens häufig nach unten (distal) in den Unterarm ausstrahlen.

 

Die Beschwerden treten bei Belastung der Hand verstärkt auf. Schmerzen treten auch häufig bei Rotationsbewegungen im Unterarm auf. Nicht selten treten die Beschwerden auch nachts auf und vor allem morgens beim Erwachen dauert es einige Minuten um die Beugung und Streckung des Ellenbogens wieder ohne Schmerzen durchführen zu können.

 

Diagnose

Grundsätzlich wird die Diagnose eines Golferellenbogens klinisch gestellt. Bildgebende Verfahren und Laboruntersuchungen spielen eine untergeordnete Rolle.

 

Die Druckempfindlichkeit kann auf den medialen (inneren) Vorsprung am Ellenbogen lokalisiert werden.Folgende Tests lösen häufig die Schmerzen aus:

- Rotation des Unterarms gegen Widerstand.
- Handgelenksbeugung gegen Widerstand.
- Streckung des Ellenbogens bei passiver Streckung der Hand.

 

Die Röntgenuntersuchung ist meist nicht notwendig um einen Golferellenbogen zu diagnostizieren. Röntgenbilder können jedoch sinnvoll sein, wenn eine ältere Verletzung angegeben wird, oder wenn der Verdacht besteht, dass eine Kalkablagerung im Bereich der Sehnenansätze der Auslöser der Beschwerden sein könnte.

 
Laboruntersuchungen sind selten sinnvoll.

 

In der Diagnose muss auch erwogen werden, ob die Beschwerden am Ellenbogen nicht eine Ausstrahlung von der HWS oder Schulter darstellen. Es ist daher notwendig hier klinische Untersuchungen vorzunehmen, bzw. HWS und Schulter entsprechend auch radiologisch zu untersuchen.

 

 

Therapie

Konservative Therapie

Vorbeugend: Im Allgemeinen kann gegen den Golferarm vorgebeugt werden in dem akute oder chronische Überlastungen vermieden werden. Wenn die Beschwerden im Alltags- und Arbeitsleben auftreten ist eine Vermeidungsstrategie schwierig, jedoch sollte man sich Gedanken machen, ob der Bewegungsablauf modifiziert werden kann. Je weniger der Ellenbogen gereizt wird, umso einfacher ist es die Beschwerden zu überwinden. Das Tragen einer Epicondylitisspange oder Bandage kann hilfreich sein.

 

Bindegewebsmassage
Eine Querfriktionsmassage am Ellenbogen kann zu temporärer Verringerung der Beschwerden führen. Diese Therapie kann vom Patienten selbst 2-3 mal täglich durchgeführt werden. Mit dem Daumen der nicht betroffenen Hand, wird die schmerzhafte Stelle mehrere Minuten lang intensiv massiert. Dieses ist zwar während der Behandlung schmerzhaft, danach ist jedoch häufig eine deutliche Linderung der Schmerzen spürbar.

 

Epicondylitisspange oder Epicondylitisbandage
Diese sind in Orthopädiefachgeschäften erhältlich. Wichtig ist, dass diese korrekt getragen werden. Daher müssen sie von geschultem Personal angepasst werden. Die Anwendungsweise und die Prinzipien auf denen die Effektivität dieser Bandagen beruht müssen eingehenst von Fachpersonal oder dem Arzt erklärt werden.
Die Spange/Bandage entlastet den Muskelansatz am Ellenbogen, welcher dadurch geringer gereizt wird.

 

Medikamente
Antiphlogistische Mittel wie Voltaren oder Ibuprofen können kurzfristig eingenommen werden. Dieses macht aber nur Sinn, wenn die Beschwerden des Tennisellenbogens noch nicht chronisch geworden sind. Bei längerer Einnahme dieser antiphlogistischen Mittel müssen die potentiellen Nebenwirkungen in Betracht gezogen werden.

 

Cortisoninfiltration
Vor allem in einer akuten Situation ist die einmalige Infiltration mit einem langwirkendem Cortisonpräparat ohne weiteres vertretbar. In der Regel verschwinden die Schmerzen innerhalb von Stunden oder 1-2 Tagen. Die Rezidivrate bei solchen Injektionen ist leider relativ hoch und wiederholte Cortisonspritzen sollten gemieden werden. 

Der Grund hierfür ist, dass Cortison auf die Bänder des Ellbogengelenkes eine schädliche Auswirkung haben kann, sodass es im schlimmsten Fall hier zu weiteren Problemen kommen kann.
Bei Patienten mit Diabetes mellitus muss in den meisten Fällen auf eine Injektion mit Cortison verzichtet werden, da Cortison die Blutzuckerwerte steigen lässt. Dieses muss mit dem behandelten Arzt besprochen werden.

 

Operativ

Eine Operation bei Golferellenbogen sollte immer nur dann in Erwägung gezogen werden, wenn konservative Maßnahmen intensiv durchgeführt wurden und zu keinem Erfolg geführt haben. Denn selbst ein operativer Eingriff ist nicht immer erfolgreich, beziehungsweise kann es zu einem Rezidiv der Beschwerden kommen.

Der Eingriff kann in örtlicher Betäubung oder in Vollnarkose durchgeführt werden.
Es erfolgt ein 3-4 cm langer Hauteinschnitt über der betroffenen Stelle. Der Ansatz der Beugesehnenmuskulatur wird von der Knochenhaut gelöst. Zusätzlich wird die Ansatzstelle der Muskulatur denerviert. Postoperativ wird der Ellenbogen 2 oder 3 Tage mit einem Verband oder Gipsschiene immobilisiert. Danach sollte wieder eine aktive Mobilisation stattfinden.

 

Prognose

Leider ist die Therapie eines Golferellbogens häufig nicht sehr zufriedenstellend. Mit allen Therapiemethoden, auch nach einem operativen Eingriff, treten die Beschwerden häufig rezidivierend auf.
Je früher die Beschwerden behandelt werden, desto besser ist die Prognose.
Es sollte noch einmal betont werden, dass häufige Cortisoninjektionen wegen deren potenziellen Nebenwirkungen gemieden werden sollten.