Carpaltunnelsyndrom (CTS)

Das Carpaltunnelsyndrom ist ein Nervenengpasssyndrom des Handwurzelkanals. Es ist das am weitesten verbreitete Nervenengpasssyndrom. Der Handwurzelkanal besteht auf einer Seite aus den rigiden Handwurzelknochen, die von einem 2-3cm breiten Bindegewebsband überspannt sind, dem sogenannten Retinaculum flexorum. In diesem Handwurzelkanal zwischen den Handwurzelknochen und dem Band verlaufen sämtliche Flexorensehnen der Finger und Daumen. Ebenfalls verläuft hier der Medianusnerv. Da dieser die einzige Struktur mit einer weichen Konsistenz ist, wird er eingeengt wenn sich das Volumen dieses Kanals verringert, was dann die typischen unten beschriebenen Beschwerden verursacht.

In den meisten Fällen lässt sich für das Karpaltunnelsyndrom keine direkte Ursache ermitteln. Dies wird auch als ein idiopatisches Karpaltunnelsyndrom bezeichnet.


Symptome

Typische Symptome eines CTS sind Pelzigkeit und Kribbeln im Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger und der Hälfte des Ringfingers. Die Patienten  meinen häufig, dass die ganze Hand betroffen sei. Achten Sie aber einmal darauf welche Finger genau betroffen sind. Es kommt so gut wie nie vor, dass auch der Kleinfinger betroffen ist. Die Beschwerden kommen sehr häufig in den Morgenstunden vor und die Hand ist nicht selten schmerzhaft, pelzig und fühlt sich geschwollen an. Durch Schütteln der Hand lassen die Beschwerden dann im Frühstadium sehr schnell nach. Während des Tages treten die Beschwerden vor allem dann auf, wenn die Hand eine fixierte Beugestellung einnimmt. Z. B. beim Halten eines Telefons, Buchs oder einer Zeitung, beim Halten des Lenkrads beim Autofahren.

 

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In der weiteren Entwicklung des CTS können die Schmerzen ausgeprägter werden und bis in die Achsel ausstrahlen. In einem sehr ausgeprägten Krankheitsverlauf kann es auch zu Kraftlosigkeit vor allem im Daumen kommen.

 

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Diagnose

Es ist aus klinischer Sicht vorerst sehr wichtig das CTS von
Halswirbelsäulensyndromen, die in den Arm und die Hand ausstrahlen, zu unterscheiden. Dieses bedarf aus ärztlicher Sicht einer gründlichen Anamnese. Außerdem müssen gezielte klinische Untersuchungen durchgeführt werden.Radiologische Untersuchungen der Halswirbelsäule und des Handgelenks sind in manchen Fällen notwendig.

Unumgänglich ist die Messung der Nervleitgeschwindigkeit ( NLG) und die Durchführung einer Elektromyographie (EMG) durch einen Neurologen. Hier kann graphisch dargestellt werden, ob der Medianusnerv beeinträchtigt ist. Es ist aber durchaus möglich, dass im frühen Stadium die Messwerte noch im Normbereich liegen. Selbst wenn die Symptome klinisch und anamnestisch schon recht typisch ausgeprägt sind. Dieses wird die Therapiewahl beeinflussen. 

 

Therapie

Konservativ

Wenn die Beschwerden noch nicht sehr ausgeprägt sind, oder die neurologischen Messungen noch im Normbereich liegen, wird zunächst die nächtliche Ruhigstellung des Handgelenks mittels einer gepolsterten Schiene bevorzugt.

 

Mechanische Überbelastung sollte vermieden werden, wobei dieses in den meisten Fällen nicht realistisch zu bewerkstelligen ist.


Das Einnehmen von entzündungshemmenden oder Cortison Tabletten, oder Cortison als Spritze in den verengten Carpaltunnel, können auch in Betracht gezogen werden, allerdings ist die Linderung meistens nur temporär. Diese Maßnahmen kommen daher selten zur Anwendung.

Operativ

Im Grund genommen dreht sich hier alles nur um die Durchtrennung des Retinaculum flexorum. Dadurch wird der Druck im Carpaltunnel gemindert und der Medianusnerv wird so entlastet. Mit der Zeit bildet sich das Retinaculum flexorum wieder völlig mit Bindegewebe, aber in etwas verlängerter Form, sodass das Volumen des Carpaltunnels erhöht bleibt.

Die Operation wird ambulant durchgeführt. Eine örtliche Betäubung reicht bei fast allen Patienten ohne weiteres aus. Eine Vollnarkose ist so gut wie nie notwendig.

 

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Der Eingriff dauert etwa 10 Minuten. Die klassische offene Operation mit einem etwa 3cm langen Hauteinschnitt erlaubt eine Darstellung des Retinaculum flexorum, das unter Sicht durchtrennt wird. Der Eingriff kann auch minimalinvasiv (endoskopisch) durchgeführt werden. Dadurch wird der Hauteinschnitt entsprechend kleiner, hat aber keine großen Vorteile gegenüber dem offenen Eingriff.

 

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In der Regel wird eine Gipsschiene angelegt, wobei hier die Finger und der Daumen frei beweglich bleiben. Dadurch wird das Handgelenk ruhiggestellt, was für den Patienten in den ersten Tagen nach der Operation sehr angenehm ist. Nach 10 Tagen erfolgt das Entfernen der Hautnähte.

 

Postoperativ können herkömmliche Schmerzmittel eingenommen werden. Wobei dieses meistens nur in den ersten 24 Stunden notwendig ist. Ich persönlich rate meinen Patienten immer eine Schmerztablette gleich nach der Operation einzunehmen, noch bevor die Betäubung nachlässt. So treten, wenn überhaupt, nur sehr geringe Schmerzen auf. Danach sollte die Schmerzmitteleinnahme nach Bedarf erfolgen. Zusätzlich sollte die Hand auf Brüsthöhe gehalten werden damit keine Schwellung entstehen kann.

 

Abhängend von der Belastung welcher Ihre Hände am Arbeitsplatz ausgesetzt sind, dauert die  Arbeitsunfähig ca. 2-4 Wochen. Bei sehr anspruchsvoller Belastung z.B. bei Handwerkern kann diese jedoch länger andauern.

 

Prognose

Der Verlauf des CTS ist nach einer Operation generell sehr gut. Das Kribbeln in den Fingern lässt meistens sofort nach. Auch eine Schmerzlinderung tritt in den meisten Fällen sofort ein. Wenn die Druckbelastung des Nervus medianus aber schon längere Zeit vor der Operation bestanden hat ist es durchaus möglich, dass die Pelzigkeit in den Fingern, bzw. die Kraftminderung im Daumen einen längeren Zeitraum brauchen um sich wieder zu erholen.