19. Jahrestagung der Deutschen Assoziation für Fuß und Sprunggelenk e.V. (D.A.F.)

Kongress 8-9 März 2013

 

 

Der Fersensporn

Die medizinische Fachliteratur beschreibt seit Jahrzenten den Fersensporn oder zumindest eine Entzündung am Ansatz der Faszie plantaris am Os calcanei (Fersenbein) als Ursache der Fersen-schmerzen welche wir in der Praxis häufig sehen. Ist ein Fersensporn bei Fersenschmerzen jedoch überhaupt relevant? 

Ein Fersensporn (Kalkaneussporn) kommt häufig vor: Mindestens jeder zehnte Deutsche hat einen solchen Knochenauswuchs im Bereich der Ferse, wo Sehnenstränge der Fußsohle am Fersenbein oder  Os kalkaneus, ansetzen – meistens ohne ihn je zu spüren!  In manchen Fällen  bereitet ein Fersensporn aber Beschwerden, zumindest geht man davon aus, dass er Beschwerden verursacht. Jedoch ist in vielen (den meisten) Fällen der hauptsächliche Schmerzpunkt, und der Punkt von dem die Fersenschmerzen ausgehen, an einer Stelle an der Innenseite der Ferse wie unten angedeutet.

 

Ursache

Die Ursache wird meistens auf eine Überlastung und chronischen Reiz an der Ferse zurückgeführt. In den meisten Fällen trifft dieses jedoch nicht zu. Patienten beschreiben eine schleichende Zunahme an Schmerzen an der Ferse und berichten selten über eine akute oder chronische Überlastung. Ein Fersensporn ist ein Zufallsbefund und spielt sehr wahrscheinlich keine Rolle. Die Erklärungen zur Ursache dieser Fersenschmerzen in der Fachliteratur sind reine Spekulation. Beweise hat noch niemand liefern können.

 

Symptome

Meistens beginnen die Schmerzen an der Ferse schleichend. Vor allem nach einer Ruhephase, wie z.B. morgens beim Aufstehen sind sie am schlimmsten und lassen dann nach; werden jedoch wieder bei übermäßiger Belastung schlimmer.

 

Therapie

  • Schuheinlagen zur Korrektur vorhandener Fehlstellungen des Fußes (z. B. Senk-/Spreizfuß), die im Bereich der Ferse zusätzlich eine Aussparung aufweisen und an der Fersensporn-Stelle für Druckentlastung sorgen. Die Praxis jedoch zeigt, dass der Rand einer solchen Aussparung häufig noch zusätzliche Beschwerden verursacht. Sinnvoll ist eine Einlage mit Längs- und Quergewölbestützen und einer Fersenweichbettung.
  • Übungen, bei denen die Sehnen an der Wade und Fußsohle gedehnt werden.
  • Lokale Kältetherapie (Eismassage) wirkt schmerzlindernd.
  • Cortisoninjektion plantar am Fersensporn. Kann bei häufiger Anwendung zu einer Schwäche und Ruptur der Plantarfaszie führen, welches dann zu erheblicher Beeinträchtigung der Funktion des Fußes führen kann.
  • Cortisoninjektion an der Innenseite der Ferse wie oben angedeutet ist jedoch sinnvoll.
  • Antiphlogistika - Entzündungshemmende Medikamente
  • Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT): Die Anwendung mittelenergetischer fokussierter Schallwellen kann den chronischen Schmerz lindern, der Wirkmechanismus ist nur in Ansätzen geklärt. Die Kosten dieses Verfahrens dürfen laut Gesetzeslage nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden. Die meisten privaten Krankenkassen übernehmen die Kosten auf Antrag, ebenso die Beihilfestellen, wenn die konventionellen Maßnahmen ausgeschöpft wurden.
  • Röntgen-Reizbestrahlung der betroffenen Ferse in meist 4-6 Sitzungen. Die Therapie ist schmerzfrei. Es handelt sich um eine Regelleistung der gesetzlichen und privaten Krankenkassen.
  • Operation. Dabei wird der Fersensporn abgemeißelt. Sehr fragwürdig! Wird selten durchgeführt.

 

Zusammenfassung

  • Die Ursache dieser Fersenschmerzen kann man in den meisten Fällen nicht feststellen.
  • Der Trigger-Punkt befindet sich nicht unten an der Ferse, sondern auf der Innenseite.
  • Eine Infiltration mit Cortison an dieser Stelle ist meistens erfolgreich.
  • Ein Fersensporn ist, wenn er denn überhaupt radiologisch nachgewiesen werden kann, sehr wahrscheinlich nur ein Zufallsbefund.

Zurück