Arthrose Fingerendgelenke

(Heberden-Arthrose)

 

Die Heberden-Arthrose, benannt nach dem Londoner Arzt William Heberden (1710-1801), ist eine idiopathische (ohne fassbare Ursache) Arthrose der Fingerendgelenke (distale Interphalangialgelenke, DIP-Gelenke).

Die Erkrankung ist überwiegend genetisch, aber auch hormonell bedingt.
Die Heberdensche Arthrose betrifft Frauen 10x häufiger als Männer, und dann vor allem in den Wechseljahren.

Die Heberden-Arthrose ist von der Bouchard-Arthrose zu unterscheiden. Die letztere kommt in den Fingermittelgelenken (PIP-Gelenken) vor und tritt seltener auf als die Heberden-Arthrose.

 

Symptome

Typisch klagen Patienten im Anfangsstadium über schleichende Morgensteifheit in den Fingergelenken, die dann im Laufe des Tages nachlassen.

Mit zunehmendem Verschleiß des Gelenkknorpels treten Schmerzen auf. Auch diese lassen im Anfangsstadium mit gezielter Bewegung nach.

Mit starker Belastung der Hände intensiviert sich die Schmerzsymptomatik in den betroffenen Gelenken. Es wird für die Patienten zunehmend schwieriger Objekte mit Kraft zu halten und vor allem auch Flaschendeckel oder Dosendeckel zu öffnen.

Bei vielen Patienten variiert die Intensität der Beschwerden. Die Beschwerden treten über Tage, Wochen oder Monate mal stärker und mal weniger stark auf. Dies kann durch mehrere Faktoren beeinflusst werden, jedoch ist es meistens sehr schwierig diese zu identifizieren. Mit zunehmender Steife der Endgelenke kann es auch dazu kommen, dass die Beschwerden nachlassen.

 

Diagnose

Die Diagnose wird in den meisten Fällen sehr einfach klinisch erstellt. Die typischen Heberden-Knoten sind charakteristisch. Diese sind 2 knöcherne Wucherungen an der Streckseite der Basis der Fingerendglieder. Diese sind häufig druckempfindlich. Es ist außdem nicht selten, dass die Haut sich entzündet.

 

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Die aktive und passive Beweglichkeit der Endglieder ist oft eingeschränkt und endgradig Schmerzhaft. Auch ist das Gelenk druckempfindlich.

Differentialdiagnostisch muss eine Gichtarthropathie, die Arthrose einer Psoriasis, sowohl als auch einer chronischen Polyarthritis ausgeschlossen werden. Diese sind jedoch häufig anamnestisch und klinisch einfach zu unterscheiden.

Radiologisch zeigen die Endgelenke bei der Heberden-Arthrose und die Mittelgelenke bei der Bouchard-Artrhose in weiter fortgeschrittenen klinischen Situationen zuerst eine Verschmälerung des Gelenkspalts, später dann auch eine Destruktion der Gelenkoberflächen.

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Zusätzliche labortechnische oder bildgebende Untersuchungen sind selten notwendig. 

 

 

Therapie

Konservativ

Im Anfangsstadium der Heberden-Arthrose ist keine Therapie notwendig. Vorbeugende Maßnahmen sind nicht bekannt. So ist es auch nicht nachgewiesen, dass Diät eine große Rolle spielt.

 

Es ist wichtig, dass die Finger nicht übermäßig belastet werden, jedoch ist auch eine übermäßige Schonung nicht indiziert. Beuge- und Streckübungen im warmen Wasser mit oder ohne Gummiball können die Schmerzen im Anfangsstadium der Heberden-Arthrose deutlich erleichtern. Antiphlogistische und analgetische Mittel wie Ibuprofen oder Voltaren können bei schmerzhaften Schüben eingesetzt werden. Eine Langzeit Intensivtherapie mit solchen Medikamenten ist jedoch wenig sinnvoll und in solchen Situationen sollte man die Nebenwirkungen dieser Medikamente nicht unterschätzen.

 

Intraartikuläre Cortisoninjektionen können durchgeführt werden. Es ist jedoch technisch häufig nicht einfach in solch kleine Gelenke, die dann auch noch einen stark reduzierten Gelenkspalt aufweisen, ohne weiteres Medikamente zu injizieren. Die Wirkung der Cortisonpräparate fällt oft sehr unterschiedlich aus. Manche Patienten haben oft Tage, Wochen oder manchmal Monate lang beträchtlich weniger Beschwerden, bei anderen Patienten kann es wiederum sein, dass die Wirkung völlig ausbleibt. 
Da das Volumen und die Dosis des Cortisons extrem gering sind, gibt es sehr selten Nebenwirkungen die den ganzen Körper betreffen, und diese können vernachlässigt werden. 

 

Andere Therapieformen wie z. B. Radiosinoviorthese, Röntgenreizbestrahlung und physikalische Therapie können auch in Betracht gezogen werden. Jedoch auch hier sind die Auswirkungen sehr unterschiedlich.

 

Die konservativen Maßnahmen müssen sicher jedem Patienten individuell angepasst werden. Faktoren wie das Alter des Patienten, die Intensität der Beschwerden, die Restbeweglichkeit in den Gelenken, und viele weitere Faktoren spielen eine wichtige Rolle. Eine intensive Beratung des Arztes ist hier sehr wichtig.

 

Operativ

Zwei Gründe  führen Patienten häufig zu einem Arztbesuch:

 

  • Schmerzen und reduzierte Funktionsfähigkeit der Finger.
  • das unästhetische Aussehen der Fingerendgelenke.

 

Das Entfernen der Heberden-Knoten ist rein technisch gesehen durchaus möglich, jedoch sind die Ergebnisse selten überzeugend. In manchen vereinzelten Fällen kommt es auch vor, dass ausgeprägte, mit zäher Flüssigkeit gefüllte Zysten schmerzhaft sind oder kosmetisch auffallen. Diese können durchaus operativ entfernt werden. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass diese über einen Zeitraum von Monaten oder Jahren wieder auftreten. Rein aus kosmetischen Gründen operativ vorzugehen sollte sehr vorsichtig in die Waagschale gelegt werden und wird von den meisten Ärzten nicht empfohlen.

 

Die Hauptindikation für einen operativen Eingriff sind ohne Zweifel Schmerzen in den Endgelenken der Finger, die durch konservative Maßnahmen nicht adäquat kontrolliert werden können. Vor allem wenn die Funktion der Hand beim allgemeinen, täglich notwendigen Einsatz nicht mehr adäquat einsatzfähig ist, muss ein operativer Eingriff in Erwägung gezogen werden. Wenn die Beweglichkeit des Endgelenks zusätzlich stark reduziert ist, ist die Entscheidung hier eine Versteifung des Endglieds durchzuführen relativ einfach. Die dadurch reduzierte Beweglichkeit des Endgelenks nehmen Patienten gar nicht mehr war, da die Beweglichkeit vorher schon stark reduziert war. Wenn das Gelenk dann Schmerzfrei ist, bekommen die Patienten eine erheblich bessere Funktion der Hand.

 

Die Versteifung des Endglieds ist eine technisch einfache Operation, welche ohne weiteres ambulant durchgeführt     werden kann. Der Erfolg eines solchen Eingriffs, was die Reduzierung der Schmerzen und die Kraft der Hand betrifft, ist sehr gut. Auch kosmetisch kann man bei einer Endglied- versteifung viel erreichen. Bei passender Indikation ist dies eine Operation für die Patienten in der Regel sehr dankbar sind. Technisch werden die Endgelenke mit Schrauben, Drähtchen oder Cerclage-Draht versteift. Die Wundheilung erfolgt innerhalb von 7-10 Tagen. Die Knochenheilung benötigt etwa 4-6 Wochen.

Postoperativ sollten Patienten jedoch frühzeitig das Mittelgelenk des operierten Fingers bewegen um zu vermeiden, dass hier Bewegungseinschränkungen entstehen.